A7: Da ist der Wurm drin: Gegen den Applezwang an Kölner Schulen
| Antragsteller*in: | Grüne Jugend Köln (dort beschlossen am: 05.04.2026) |
|---|---|
| Status: | Modifiziert |
| Antragshistorie: | Version 1(05.04.2026) |
| Antragsteller*in: | Grüne Jugend Köln (dort beschlossen am: 05.04.2026) |
|---|---|
| Status: | Modifiziert |
| Antragshistorie: | Version 1(05.04.2026) Version 1 |
Die GRÜNEN Köln positionieren sich gegen das GYOD (Get Your Own Device) Programm
der Stadt Köln, bei dem Schulkinder verpflichtend mit elternfinanzierten iPads
im Unterricht arbeiten. Wir setzen uns stattdessenfür eine systemoffene und am
Lernerfolg orientierte, evidenzbasierte Digitalisierungsstrategie in Schulen
ein.
Die GRÜNEN Köln positionieren sich gegen das GYOD (Get Your Own Device) Programm der Stadt Köln, bei dem Schulkinder verpflichtend mit elternfinanzierten iPads im Unterricht arbeiten. Wir setzen uns stattdessenfür eine systemoffene und am Lernerfolg orientierte, evidenzbasierte Digitalisierungsstrategie in Schulen ein.Die GRÜNEN Köln setzen sich für eine systemoffene und am Lernerfolg orientierte, evidenzbasierte, Digitalisierungsstrategie in Kölner Schulen ein. Dazu soll die Stadt den Einsatz von digitalen Geräten im Unterricht erleichtern, indem die verwendeten Geräte zentral in einem dafür geeigneten systemoffenen Mobile-Device-Management System verwaltet werden und damit auch Geräte unterschiedlicher Hersteller und gebrauchte Geräte eingesetzt werden können. Hierdurch soll Schulen ermöglicht werden, gemäß ihrer pädagogischen Konzepte, die Digitalisierung umzusetzen.
Begründung
I. Das GYOD-Programm an Kölner Schulen
An Kölner Schulen soll der Unterricht digitaler werden. Mit dem Programm der
Stadt Köln, genannt Get your own Device (GYOD, engl. Besorg dir dein eigenes
Gerät) soll das Schreiben auf Papier zunehmend ersetzt werden.
Um am digitalen Unterricht teilnehmen zu können, müssen Schüler*innen bzw. ihre
Familien sich für schulische Zwecke ein iPad der Firma Apple anschaffen.
Die Geräte sollen im Mobile Device Management (MDM) des Schulträgers eingebunden
werden und werden durch NetCologne administriert und gewartet. Dafür ist
allerdings erforderlich, dass es sich um Geräte der Marke iPad der Firma Apple
handelt. Nicht nur müssen die Geräte einen Speicherplatz von mindestens 128 GB
vorweisen, sondern es sollten auch Geräte der neusten Geneneration sein, die
ausschließlich über von Apple zertifizierten Handelspartner (Apple Authorised
Education Specialist, kurz AAES) erworben werden können. Andere Geräte (z. B.
Android-Tablets oder Windows-Laptops) können nicht in das schulische System
eingebunden werden.
Nur unter besonderen Bedingungen können einkommensschwache Familien auf Nachweis
des Bedarfs primär durch Förderprogramme und nachrangig vom Stiftungswesen der
Stadt Köln Unterstützung bei der Beschaffung der Geräte erhalten. Für alle
anderen entstehen Kosten von 450-3600€ pro Schüler*in. Bereits vorhandene
Geräte, insbesondere auch iPads der älteren Generationen, können nicht verwendet
werden.
Das GYOD-Programm findet unter anderem an folgenden Kölner Gymnasien Anwendung:
Dreikönigsgymnasium, Gymnasium Pesch, Hansa-Gymnasium Köln, Gymnasium
Zusestraße, Deutzer Gymnasium Schaurtestraße, Gymnasium Neue Sandkaul, Schiller-
Gymnasium, Apostelgymnasium und Elisabeth-von-Thüringen-Gymnasium.
II. Kritik am GYOD-Programm
Das GYOD Programm sehen wir mindestens aus folgenden Gründen als problematisch
an:
1) iPad-Zwang
Der Kauf eines iPads durch die Eltern/Erziehungsberechtigten wird als
verpflichtend dargestellt. Die Arbeit mit dem eigenen digitalen Endgerät im
Unterricht sei "verbindlich" (https://dkg-koeln.de/unterricht/gyod), ein eigenes
iPad "muss" erworben werden.
Die Pflicht der Eltern beschränkt sich allerdings nur auf eine angemessene
Ausstattung des Kindes für die Schule, sie kann nicht den Kauf von teuren
digitalen Endgeräten umfassen. Die Kosten von ca. 750€ sind als zu hoch
einzustufen, um sie den Erziehungsberechtigten zumuten zu können. Wie auch eine
kleine Anfrage (Drs. 17/11972) der ehemaligen Landtagsabgeordneten Sigrid Beer
ergab "sind Beschaffungsvorgaben unzulässig."
Handelt es sich tatsächlich nicht um eine Verpflichtung, so bleiben
Schüler*innen ohne iPad von Digitalisierung im Unterricht nahezu ausgeschlossen.
Sie sind gegenüber allen anderen Schüler*innen, die durch Internetzugang,
Datenverwaltung und Zugriff auf Onlinesysteme der Schule profitieren, erheblich
im Nachteil.Auch die Möglichkeit der finanziellen Unterstützung kann nicht davon
ablenken, dass Familien faktisch zum Kauf teurer, nur bedingt nützlicher
Endgeräte gezwungen werden.
2) Fehlende Kosteneffizienz
Bei den geforderten iPads handelt es sich um hochpreisige Endgeräte. Plus
Tastatur und digitalem Stift kommen Anschaffungskosten von rund 750 € pro Gerät
zustande. Andere Endgeräte (auch Tablets mit Stift) sind deutlich günstiger.
GYOD bedeutet folglich eine finanzielle Belastung für die
Eltern/Erziehungsberechtigten von schulpflichtigen Kindern.
24% der Haushalte in Köln sind armutsgefährdet. Nicht alle von ihnen werden
berechtigt sein, sich für den Kauf unterstützen zu lassen. Auch für viele
Menschen, die nicht armutsgefährdet sind, ist eine Investition dieser Art eine
Belastung. Viele Familien werden von Förderprogrammen nicht profitieren können,
wenn ihr Einkommen knapp über bestimmten Grenzen liegt. Bei Familien mit
mehreren schulpflichtigen Kindern summieren sich diese Kosten zudem. Die Geräte
können zudem nur bedingt privat verwendet werden, unter anderem warnt die Stadt
aus Datenschutzgründen vor der Verwendung für Bewerbungen (Informationen für
Erziehungsberechtigte, Stadt Köln), sodass es sich um eine zusätzliche
Anschaffung handelt.
Auch die Stadt Köln kostet GYOD Geld: Der Beitrag der Stadt Köln für die Jamf
Lizenzgebühren (MDM
System) pro Gerät beträgt ca. 30,00 € (270,00 Euro für G9), dazu kommen ggf. App
Kosten pro Gerät z.B. Goodnotes, Procreate, Procreate Dreams (128,00 €) (Quelle:
Deutzer Gymnasium Schaurtestraße).
Das GYOD-Programm der Stadt ist folglich eine auf Kosten der Bürger*innen
erzwungene Förderung der Firma Apple und keine zeitgemäße
Digitalisierungsstrategie.
3) E-Waste statt E-School
Elektronische Geräte sind ressourcenaufwendig herzustellen, zu verwenden und zu
entsorgen. E-Waste (Elektronikschrott) ist ein wachsendes Problem für Umwelt und
menschliche Gesundheit. Alle 150 000 Schüler*innen an Kölner Schulen zum Kauf
von iPads zu verpflichten, wenn bereits in vielen Fällen Geräte vorhanden sind,
ist unverantwortlicher Konsumzwang.
Durch die Verpflichtung zum Kauf bei einem Apple verifizierten Händler wird der
Gebrauchtmarkt ausgeschlossen, was mit der Produktion vieler neuer Geräte der
Umwelt schadet und zudem die finanziellen Mittel der Eltern unnötig belastet.
Die Tablets können auch nicht unter Geschwistern oder von Eltern weitergegeben
werden, weil unklar ist, wie lange die Geräte unterstützt werden. In
Abhängigkeit von der Firmenpolitik (Apple, Netcologne) kann es sogar passieren,
dass Neuanschaffungen innerhalb der Schullaufbahn eines Kindes etwa z.B.
aufgrund ausbleibender Updates nötig werden, auch wenn die technischen
Anforderungen noch erfüllt wären.
Zudem sind die Begründung für die technische Anforderungen nicht vollständig
klar: Das verwendete Mobile Device Management (MDM) System "JamF Schools"
erlaubt das Einbinden von iPads bis in die 2017 veröffentlichte 5. Generation
von iPads, eine Speicherplatzmindestanforderung gibt es nicht.
4) Medienkompetenz
Eine Komponente von Medienkompetenz ist es, mit verschiedenen Geräten sowie
unterschiedlichen Systemen umgehen zu können. Für eine medienkompetente
Gesellschaft braucht es in der Schule eine Abbildung der tatsächlich verwendeten
Geräte, ausserdem Erklärungen und Lehransätze, die nicht nur auf die zukünftige
Nutzung von iPads vorbereiten. iPads spielen (anders als etwa Office-
Programmeund das Zehnfingersystem) im beruflichen Alltag kaum eine Rolle, haben
also auch keine berufsvorbereitende Funktion.
5) Monopolbildung durch Verwendung eines geschlossenen Systems
Unklar ist, ob es für die Ausstattung der Schulen in Trägerschaft der Stadt Köln
eine öffentliche Ausschreibung gab und ob die Wahl der iPads des Herstellers
Apple eine begründete Entscheidung ist.
Dazu kommt, dass die alleinige Verwendung der Apple-Geräte Abhängigkeiten
schafft und zementiert. Das Unternehmen Apple stand in der Vergangenheit wegen
Monopolbildung und wettbewerbswidrigen Praktiken wiederholt in Kritik. Unter
anderem verhindert Apple (die von der EU vorgeschriebene) Interoperabilität,
also die Kompatiblität verschiedener Systeme und untersagt Programme, die eine
solche ermöglichen würden. Geräte von Apple funktionierenim Zusammenspiel mit
anderem Geräten aus dem "Apple-Ökosystem": Manche Funktionen des iPads lassen
sich mit z. B. Windows-Rechnern trotz vorhandender technischer Voraussetzungen
nur in beeinträchtigter oder umständlicher Form nutzen, andere gar nicht (z. B.
das das Bluetooth und Wifi nutzende "Airdrop"). Es ist also nur wahrscheinlich,
dass sich Schüler*innen zur Ergänzung des iPads auch Apple-Laptops und
Smartphones kaufen. Hier wird u. a. auf Staatskosten ein Monopol eines
amerikanischen Unternehmens gefördert, gegen das sich Schüler*innen und Eltern
nicht wehren können.
Für das als Begründung angeführte Management System zur Verwaltung der iPads
(JamF) gibt es erprobte und funktionierende Alternativen (Revolut), die auch die
Einbindung von Geräten aller anderen Hersteller und Betriebssysteme erlauben.
6) Fremdadministration, Datenschutz und Nutzungsbedingungen
Betroffene werden durch das GYOD-Programm auch gezwungen, die AGBs der Firma
Apple im Zuge des notwendigen "Apple Accounts" zu akzeptieren. Dazu kommt die
Nutzung der Schulservices, der Cloud sowie einer Fremdadministration des eigenen
Geräts durch die Netcologne. Sind Erziehungsberechtigte und Kind etwa mit einer
bestimmten Form der Verwertung von Nutzdaten etc. nicht einverstanden, könnte
der*die Schüler*in schulische und soziale Nachteile erfahren.
Bedenken gibt es zudem beim Datenschutz. Persönliche Daten von Kindern und
Jugendlichen sind besonders schützenswert: iPads können nicht nur biometrische
Daten (etwa Fingerabdruck und Gesichtsidentifizierung zur Geräteentsperrung)
sondern auch Daten über das Nutzungsverhalten und schulische Leistungen
erfassen.
Die Landesbeauftragte für Datenschutz und Informationssicherheit NRW Bettina
Gayk äußerte im 30. Bericht (S. 48 ff.) Bedenken an der Datenschutzkonformität
beim Einsatz von iPads in der Schule. Unter anderem werden die nicht-DSGVO-
konforme, nicht auszuschließende Speicherung und Auswertung von Daten in den USA
kritisiert, und empfohlen, das schulische iPad nicht für private Zwecke zu
verwenden. Insbesondere sei auf die Nutzung von "iCloud" zu verzichten, weil
eine Identifizierung der Schüler*innen nicht ausgeschlossen und der Schutz von
persönlichen Daten gegen staatliche Zugriffe und durch Apple Apple selbst nicht
garantiert werden könne.
7) Abhängigkeit von amerikanischen Großkonzernen statt digitaler Souveränität
Die Schulen werden durch GYOD abhängig von Apple und JamF, zwei amerikanischen
Großkonzernen. Gerade in Hinblick auf Resilienz der öffentlichen digitalen
Infrastruktur ist es umso wichtiger, dass Schüler*innen unabhängig von nicht-
europäischen und nicht quelloffenen Anbietern werden und so die Kontrolle über
verwendete Systeme behalten.
III. Alternativen
Wir erkennen an, dass angesichts der angespannten Haushaltslage der Stadt Köln
eine flächendeckende Geräteausstattung über die Schulträger nicht möglich ist.
Statt diese Kosten jedoch auf die Familien abzuwälzen, sollte eine
evidenzbasierte und endgerätneutrale Digitalisierung an Kölner Schulen
angestrebt werden. Zwar kann die Einrichtung aufwendiger sein, wenn eigene
Geräte mitgebracht werden (Bring your own device, BOYD), dieser Punkt ist
angesichts der negativen Folgen der iPad-Pflicht jedoch zu vernachlässigen.
iPads und JamF School sind keineswegs alternativlos. Auch auf Android, Windows
oder Unix betriebenen Geräten lässt sich häufig mithilfe eines kompartiblen
Stiftes schreiben, rechnen oder im Internet recherchieren. Die Verwendung
anderer Geräte als die von Apple hat keine service-bezogenen Nachteile.
Schleswig Holstein macht mit seiner Open Source Strategie vor, wie digitale
Unabhängigkeit funktionieren kann. Der deutsche vielfache Testsieger Revolut
bietet weiterhin eine umfassende Lösung zum Einbinden praktisch jedes Gerätes in
das eigene Management System.
Die ausschließliche Ausstattung der Kölner Schulen mit digitaler Infrastruktur
von Apple steht einer zukunftsorientierten Entwicklung der Medienkompetenz von
Schüler*innen entgegen. Diese sollte aber das Ziel jeder öffentlichen
Digitalisierungsstratege sein, ebenso wie die Förderung von Resilienz,
Konkurrenz und Vielfalt durch eine herstellerunabhängige
Digitalisierungsstrategie.
Als Beispiel für eine Alternative sei BYOD (Bring your own Device) genannt, das
mit Systemen wie Revolut einfach, erprobt, günstig und ressourcenschonend ist ,
weil es Schüler*innen die Nutzung ihrer vorhandenen Geräte - eingebunden in ein
Management System - ermöglicht.
Zuletzt ist nicht zu vernachlässigen, dass Digitalisierung kein Selbstzweck ist.
Geräte sollen nicht ablenken, sondern zum Lernerfolg der Schüler*innen
beitragen. Die Anschaffung von digitalen Endgeräten im Unterricht ist nur dann
sinnvoll, wenn ein kohärentes Konzept vorliegt, der Einsatz pädagogisch
begründbar ist und belastbaren Daten über eine positive Wirkung auf die
akademische Leistung vorliegen.
Erfolgt mündlich.
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